| Stab NatBefh i.E. G5 / CIMIC - Grp |
Rajlovac, 01.06.98 |
Zusammenfassung
"Bericht für die Flüchtlingsrückkehr, Opstina 2: Cazin"
Die Opstina (@ Gemeinde) CAZIN gehört zum Kanton Nr. 1, UNA SANA. Der Zentralort CAZIN (WK 7480) liegt etwa 225 km nordwestlich von SARAJEVO (BP 8558) sowie ca. 20 km nordnordostwärts von BIHAC (WK 6863) entfernt. Die Opstina hat eine Ausdehnung von ca. 23 km in Nord-Süd-Richtung und von ca. 26 km in West-Ost-Richtung. Die Gesamtfläche beträgt rund 331 qkm. Die Opstina CAZIN wird von den Opstinas VELIKA KLADUSA im Norden, BUZIM im Nordosten, BOSANSKA KRUPA im Osten und BIHAC im Süden umgeben. Im Westen grenzt die Opstina an die Republik KROATIEN.
CAZIN hat unter Kriegseinwirkungen gelitten. Besonders der ostwärtige Teil war lange Zeit Kriegsschauplatz. Die Bevölkerungsstruktur hat sich kaum verändert. Die Bosniaken sind mit über 99% Bevölkerungsanteil nach wie vor die dominierende Ethnie.
Die Gefährdung durch Minen kann als gering betrachtet werden. Die Spannungen zwischen den ehemaligen Kriegsparteien lassen deutlich nach. Die Sicherheitslage ist ruhig und stabil.
Kommunaler Wohnraum steht derzeit in der Opstina nicht zur Verfügung. Freie Kapazitäten sind aber auf dem privaten Wohnungsmarkt verfügbar. Die Wohnraumsituation könnte kurzfristig verbessert werden, wenn entweder Wohnraum von Privatpersonen angeboten oder öffentlicher Wohnungsbau gefördert würde. Es bleibt abzuwarten, wie sich das im April 1998 in der Föderation verabschiedete Gesetz zur Regelung von Eigentumsfragen in CAZIN auswirken wird. Insgesamt bietet die Opstina ausreichende Möglichkeiten, eine begrenzte Anzahl von Flüchtlinge und Vertriebene aufzunehmen.
Die infrastrukturelle Lage der Opstina ist insgesamt mit befriedigend zu bewerten. Selbst bei einer vermehrten Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen sind zunächst keine Engpässe zu erwarten. Die Kooperationsbereitschaft der öffentlichen Verwaltung ist groß. Für die dringendsten Infrastrukturprobleme gibt es bereits Ausbaupläne. Konzepte für die Finanzierung sind aber vielfach nicht vorhanden.
Die wirtschaftliche Lage der Opstina läßt derzeit nur eine eingeschränkte Aufnahme von Flüchtlingen und Rückkehrern zu. Die Situation ist insbesondere durch eine sehr hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Die ansässigen Betriebe benötigen nach eigenen Angaben dringend Investitionen. Trotz der schlechten Arbeitsmarktsituation in der Opstina blüht offensichtlich die Schattenwirtschaft. Sie ist für viele Bewohner fester Bestandteil des Einkommens. Rückkehrer mit qualifizierten Fachkenntnissen im Bau- oder Textilgewerbe haben nach eigener Einschätzung gute Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden.
Die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ist gut. Trotz der Tatsache, daß die Gesundheitseinrichtungen personell leicht unterbesetzt sind und die Ausstattung mit medizinischen Geräten teilweise unvollständig ist, würde eine vermehrte Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen ohne Einschränkungen möglich sein.
An den örtlichen Schulen sind freie Kapazitäten vorhanden. Die Schulen sind alle in einem befriedigenden baulichen Zustand. Es gibt kaum Einschränkungen hinsichtlich der Lehrmittel, aber es fehlen Lehrer, besonders für Fremdsprachen und Naturwissenschaften. Die schulische Situation erscheint für eine vermehrte Flüchtlingsrückkehr geeignet.
Zusammenfassung:
Die Wohnraumsituation und die durch hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnete wirtschaftliche Lage lassen derzeit die Aufnahme einer größeren Anzahl von Flüchtlingen und Vertriebenen nicht zu. Die Opstina CAZIN ist aber sehr wohl in der Lage, qualifizierte Facharbeiter unverzüglich aufzunehmen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Sicherheitslage weiter positiv entwickelt.