Berichte für die Flüchtlingsrückkehr
Kanton 4: Zenica - Doboj
Zavidovici
Bericht 
Infrastruktur und Kommunikation

5. Infrastruktur und Kommunikation

Das Verkehrsnetz der Opstina wird im wesentlichen durch zwei Straßen geprägt: Die Verbindungsstraße Richtung ZEPCE und damit die Anbindung an die Magistralstraße M17 sowie die Verbindungsstraße Richtung OLOVO und damit an die Magistralstraße M18. Beide Straßen sind in einem befriedigenden Zustand. Die inneropstinalen Straßen sind ungepflegt, aber noch befahrbar. Alle Gemeindeteile können mit Fahrzeugen erreicht werden.

Die Opstina verfügt zwar über eine zentrale Wasserversorgung, es werden aber nur 30% des Zentralortes ZAVIDOVICI versorgt. Der übrige Teil sowie die zum Zentralort gehörenden Gemeinden POTKLECJ (BQ 72 23), DUBRAVICA (BQ 71 25) und MAJDAN (BQ 74 26) sind nicht an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Das Wasserwerk befindet sich im Zentralort, die Wasserkosten betragen für Haushalte DM 0,26 pro m3 und für Einzelpersonen DM 0,40 pro m3 Wasser. Aufgrund mangelnder Instandhaltung ist der allgemeine Zustand der Leitungen schlecht. Im übrigen Gemeindegebiet wird der Wasserbedarf durch örtliche Brunnen bzw. Quellen gedeckt.

Zur Abwasserentsorgung existiert ein Kanalisationssystem, an das nur der Zentralort angeschlossen ist. Dieses System wurde während des Krieges nicht beschädigt, befindet sich aber infolge mangelhafter Instandhaltung in einem schlechten Zustand. Fahrzeuge und Geräte zur Reinigung der Kanalisation sind überaltert und den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Ersatz wird dringend benötigt. Ein Klärwerk existiert nicht. Die Abwässer werden überall ungeklärt in die Flüsse eingeleitet.1 In den restlichen Gebieten der Gemeinde werden zur Abwasserentsorgung landesübliche Entsorgungsalternativen, z.B. septische Gruben bzw. Sickergruben verwendet, oder die Fäkalien werden direkt in Bäche geleitet. Damit entspricht die Abwasserentsorgung den gängigen Landespraktiken, Befürchtungen, daß diese Praxis in der Zukunft zu gesundheitlichen Problemen und Krankheiten führen könnte, sind nicht unbegründet, zumal trotz der möglichen gesundheitlichen Gefährdung in den Flüssen gebadet wird.

Das Stromnetz der Opstina wird von der "JP Elektroprivede Elektrodistribucija ZENICA" mit Zweigstelle in ZAVIDOVICI betrieben.2 Abgesehen von den Ortschaften SVINJASNICA (BQ 84 25) und KAZICI (BQ 75 30) wird die gesamte Opstina mit Strom versorgt. Projekte für die Anbindung dieser beiden Orte sind vorhanden, es haben sich aber noch keine Geldgeber gefunden. Eine Stromrationierung existiert nach Angaben der Gemeindeverwaltung nicht.3 Die Strompreise staffeln sich wie folgt: bis 100 KW Verbrauch: DM 0,03, zwischen 100 und 200 KW: DM 0,06 und über 200 KW: DM 0,12. Die Preise für die Industrie liegen deutlich höher, genaue Angaben konnten von der Opstinaverwaltung nicht erfahren werden.

In der Opstina gibt es heute, wie auch vor dem Krieg, keine Erdgasversorgung.

Das örtliche Fernwärmenetz wird von der Firma "JKP Radnik ZAVIDOVICI" betrieben.4 Das Heizwerk nutzt Kohle als Energieträger, kann aber nur einige Bereiche im Zentralort versorgen, da es durch Kriegseinwirkungen zu Teilzerstörungen des Leitungssystems gekommen ist. Die Einwohner im übrigen Gemeindegebiet heizen vor allem mit Holz (ca. 60%), Öl (ca. 30%) und Strom (ca. 10%).5

Die staatliche Müllentsorgung beseitigt den Müll lediglich im Stadtgebiet von ZAVIDOVICI und den unmittelbaren Vororten. Im restlichen Gemeindegebiet sind die Einwohner für die Entsorgung selbst zuständig. In der Regel geschieht dies, wie in weiten Teilen von BuH üblich, auf "wilden Kippen".

Für die Opstina steht ein flächendeckendes Telefonnetz zur Verfügung. Internationale Verbindungen und Gespräche über die IEBL in die RS sind möglich.6 Anträge für einen Anschluß sind an die Filiale der PTT in ZAVIDOVICI bzw. an eine der fünf Außenstellen zu richten.7 Zwischen der Beantragung eines Telefonanschlusses und der Installation vergehen ca. 1 bis 10 Tage, abhängig davon, in welchem Teil der Gemeinde der Antragsteller wohnt. Der Anschluß kostet einmalig DM 388, die monatliche Grundgebühr beträgt DM 3,50. Ein Mobilfunknetz gibt es mangels Nachfrage noch nicht.

Im Zentralort gibt es eine Bankfiliale der IK-BANKA. Bei dieser sind nationale wie auch internationale Überweisungen möglich. Kredite werden sowohl an Unternehmen als auch an Privatpersonen vergeben, die derzeitigen Zinsbelastungen liegen bei 8,5% per anno. Die Postdienste arbeiten überwiegend zuverlässig, Überweisungen und Geldverkehr sind aber nur innerhalb der Föderation möglich.

Der Radio- und Fernsehempfang mittels Kabel, Antenne bzw. Satellitenempfangsanlage unterliegt keinen Beschränkungen und ist in der gesamten Opstina möglich.

Alle wichtigen bosniakischen und einige bosnisch-kroatische Zeitungen sind in der jeweils aktuellsten Ausgabe erhältlich, lokale Medien gibt es nicht.

 

Zusammenfassend ist festzustellen, daß die infrastrukturelle Situation der Opstina nicht wesentlich schlechter ist, als vor dem Krieg. Sie ist, gemessen an den landesüblichen Verhältnissen, in den meisten Bereichen befriedigend. Im Zuge einer vermehrten Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen sollten jedoch Maßnahmen zur Verbesserung der Abwasserentsorgung des Zentralbereichs der Opstina um die Stadt ZAVIDOVICI sowie zur Sanierung des Fernwärmenetzes erwogen werden.


1 Dies trifft auch für die Abwässer der Industriebetriebe zu.
2 Anschrift siehe Anlage 4.
3Nach Angaben UNHCR gibt es eine tägliche Beschränkung von 6 KW pro Haushalt. Quelle: Draft Report Stand: April 1997.
4 Anschrift siehe Anlage 4.
5 Angaben der Gemeindeverwaltung ZAVIDOVICI, November 1997, verifiziert durch eigene Erkundung.
6 Seit dem 20.09.1997 sind Telefonate über die IEBL hinaus möglich, allerdings nur mit einer begrenzten Kapazität. Das Wählverfahren ist zunächst provisorisch implementiert und wird revidiert werden, sobald die Vorwahlnummern auf Staatsebene vergeben und eingerichtet worden sind.
7 Anschrift siehe Anlage 4.